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Im April 2019 startete meine unglaubliche Radreise meinem meinem Hund Zuri, ein Australian Shepherd durch Europa. Was ich an Erfahrungen sammelte und welchen Reichtum die Reise mir brachte lässt sich mit Worten nicht beschreiben. Es war die bisher schönste und intensivste Reise meines Lebens und das obwohl ich mit 20 auch einmal mit dem Rucksack um die Welt gereist bin, aber das ist mit dieser Reise nicht vergleichbar.

Auf der Alpe Adria in Italien

Wir sind dabei knapp 6800 km in 12 Ländern geradelt. Wir sind von Deutschland losgefahren, dann in die Schweiz, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Bosnien, Serbien, Ungarn, Slowakei, Österreich, Tschechien und dann im September 2019 wieder zurück nach Deutschland.

Slowenien, definitiv eine Reise wert

Warum ich mit dem Fahrrad reiste

Montenegro oder doch der Amazonas?

Für mich war es wichtig eine Reisemöglichkeit zu finden, die nachhaltig ist und wo sich mein Hund Zuri auch bewegen kann. Ich möchte nicht wahllos in ein Flugzeug steigen, um damit in den Urlaub zu fliegen. Ich liebe die Natur und das Abenteuer, und alles in mir sprudelt über, wenn ich vor einem schönen Wasserfall oder auf einem Berggipfel stehe. Ich möchte die Welt erleben, jedoch ohne sie zu zerstören. Und es gibt unglaublich schöne Natur um uns herum zu entdecken. Wir müssen nicht weit reisen.

Die Reise war auch ein Geschenk an Zuri

Die Reise sollte auch ein Geschenk an Zuri werden, weil sie ihr bisheriges Leben nur brav unter meinem Schreibtisch saß, während in meine Doktorarbeit in der Umweltpsychologie fertig schrieb und mir emotionale Unterstützung gegeben hat. Bei ihr ist mit 6 Monaten ein Tumor im Kopf festgestellt worden und die Ärzte meinten damals, dass sie nur etwa 1 Jahr zu leben habe. Damals war ich schockiert, denn nur 3 Monate zuvor hatte ich meine Mutter durch Krebs verloren.

Mittlerweile ist sie schon 5 Jahre alt und immer noch putz munter. Der Tierarzt hat dafür keine Erklärung. Sie widerspricht jeder Tumortheorie. Sie ist ein Hund, der voller Energie, Fröhlichkeit und liebevoll zu jedem ist, dem sie begegnet. Wenn ich sie mit einem Satz beschreiben müsste, wäre es „reine Lebensfreude“. Sie zeigt mir jeden Tag, dass das Leben voller Freude ist, man jedoch nicht weiß, wann es vorbei und ich es mit etwas verbringen soll, was mich erfüllt.

Das Ebike lässt mich jeden Berg erklimmen

Vor meiner Reise bin ich eigentlich nur sehr gelegentlich Fahrrad gefahren und ich würde mich auch als nicht sonderlich sportlich beschreiben, daher war es für mich ein Segen, dass es mittlerweile E-Bikes gibt und ich so jedem Berg mit Freude entgegenfahren konnte. Denn insbesondere Berglandschaften haben es mir angetan Es war überhaupt kein Problem in der Schweiz an einem Tag 2x die Alpen mit 2000m zu überqueren. Rechts und links vorbei an 7m hohen Schneebergen. Das E-bike bringt die Freude am Fahren zurück.

Geschafft – der Oberalppass auf 2000 m

Das Fahrrad selbst hat ein paar weitere unschlagbare Vorteile, die mir auf der Reise sogar weiter bestätigt wurden. Mir war es am Anfang nicht so klar, aber das Fahrrad hat wirklich die ideale Geschwindigkeit, um sich wirklich umzuschauen, man kann einfach stehen bleiben, man fährt kleinere und oftmals wesentlich schönere Wege, man fühlt den Wind und die Sonne auf der Haut, Man kann die Welt regelrecht riechen, hören, sehen und fühlen. Es gibt keine Windschutzscheibe, die einen von der Welt da draußen abschirmt und alles was man erlebt, ist emotional ganz anders und viel tiefer verankert. Man ist wirklich IN der Welt!

Gewitter in der Schweiz

Und Leute begrüßen einen überall mit offenen Armen. Unzählige Male bin ich aktiv von Menschen eingeladen worden in ihrem Haus zu übernachten oder auch einfach nur Kaffee, Eis oder etwas anderes zu Essen. Besonders freundlich waren die Menschen in der Schweiz, Italien, Slowenien und Montenegro, aber ich habe großartige Erfahrungen in wirklich allen Ländern der Reise gemacht. Mein Hund Zuri war dabei ein klarer Vorteil. Ich bin an sich eine eher introvertierte und schüchterne Person, Zuri jedoch ist ein Menschenmagnet und hat mir fast täglich neue Kontaktmöglichkeiten geschaffen. Sie macht es den Menschen leicht, mich anzusprechen.

Wie hundefreundlich sind die Länder?

Insbesondere Italien war toll für Zuri. Die Italienier lieben Hunde und es gibt überall wirkliches Hundeeis und ich sage euch Zuri liebte es! Es war eigentlich nur etwas komplizierter in muslimgeprägten Regionen, da Hunde oft nicht in Restaurants dürfen. Ich erinnere mich da an eine Situation in Bosnien, in der es Gewitterte, Hagelte und ich dachte die Welt geht unter. Es war dunkel und Zuri und ich saßen gemeinsam vor einem Restaurant, weil Zuri nicht reindurfte. Zuri hatte riesige Angst vor den lauten Donnerschlägen und ich hoffte einfach nur, dass alles bald zu Ende sein würde. Wir radelten dann nachts im Gewitter weiter, um einen Platz für die Nacht zu finden und wir mussten auf den Straßen Felsbrocken ausweichen und entgegenkommende Autos, die auf unserer Spur war. Das war wirklich abenteuerlich. Und auch hier habe ich nachts an einer Tankstelle einen Bosnier getroffen, der auch mit dem Rad unterwegs war und der mich dann zu einem Campingplatz begleitet hat. Wir haben uns angefreundet und ich habe ihn dann später noch bei ihm zu Hause in Serbien besucht.
Die Kroaten waren auch etwas reservierter Hunden gegenüber.

In Montenegro währenddessen hat Zuri in 3 Restaurants, in denen wir waren, richtig gutes Fleisch und Pizza umsonst bekommen, einfach weil sie hungrig aussah.

Gutes Essen unterwegs als Vegetarier war nicht immer einfach

Für mich selbst war es in Osteuropa etwas schwieriger als Vegetarier etwas Gutes zu Essen zu finden. Das lustigste Essenserlebnis hatte ich in der Slowakei, in der es auf der es im Menu tatsächlich eine Sektion mit vegetarischen Speisen gab. Es gab 3 Gerichte zur Auswahl.

Ich nahm die Nudeln in Käsesoße. Gemüse gab es leider nicht. Was ich jedoch bekommen habe, waren Nudeln mit kleinen Speckwürfeln. Da dort niemand Englisch oder Deutsch sprechen konnte, habe ich den Speck so gut es geht raussortiert und Zuri hatte einen guten Abendsnack.
Essensmäßig war Italien tatsächlich das beste Land, aber ich war auch positiv überrascht von Budapest und der unglaublichen Vielfalt an veganen Restaurants.

Als Frau alleine reisen, ist das nicht gefährlich?

Ich bin oft gefragt worden, warum ich diese Reise als Frau allein mache. Viele bestaunten meinen Mut oder konnten nicht verstehen, warum man so eine Reise alleine unternimmt. Ich muss sagen, dass ich mich zum einen durch Zuri immer sehr sicher und nie allein gefühlt habe und ich bin so vielen so wunderbaren und hilfsbereiten Menschen begegnet, dass ich mich unterwegs oft mehr zu Hause gefühlt habe als in meinem eigentlichen zu Hause in Deutschland.

Es gab einige sehr abenteuerliche Situationen, in denen mir z.B. etwas am Fahrrad kaputtgegangen ist, ich einen Berg nur mit letzter Kraft hochkam oder ich nachts noch nicht wusste, wo ich schlafen konnte. Das tolle war, dass IMMER jemand kam, um mir zu helfen. diese Reise hat mir das Vertrauen in die Welt gegeben. Es hat mir gezeigt, dass egal wo ich bin, dass Menschen da sind und mich unterstützen, wenn ich Hilfe brauche. Ich wusste, ich kann mich auf die Welt verlassen.

Bei einer Familie in Montenegro

In Slowenien hat mir z.B. eine 88-jährige Frau ihr Haus für die Nacht aufgeschlossen ohne dass sie dort selbst geschlafen hat. Ich habe naiverweise auch keinerlei Ersatzschläuche mit auf die Reise genommen. In Italien kam jedoch ein deutsches Pärchen auf mich zu und meinte zu mir, dass sie diese zwei Ersatzschläuche dabei hätten und dass ich diese doch bestimmt dringender bräuchte als sie. Und das waren tatsächlich auch die beiden Schläuche, die ich auf meinen beiden Reifenpannen in Bosnien und Serbien benötigt habe.

Auch eine über 70-jährige Schäferin hat mich im Nationalpark in Montenegro zu sich eingeladen und mich auch gefragt ob die Autos, die neben mir standen, gute Touristen sind. Als Radfahrer wird man sehr positiv wahrgenommen, man ist nichts Systemfremdes, sondern sofort ein Freund. Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen den Mut haben sich auf die Welt einzulassen und sie auf nachhaltige weise bereisen und erleben möchten. Und ein Hund mitzunehmen ist für mich das Nonplusultra, weil man nie alleine ist, sich sehr viel sicherer fühlt und der Hund einem zusätzliche Kontaktmöglichkeiten schafft.

Die Reise zeigte mir das Vertrauen in die Welt

Ich denke, die vielen großartigen Begegnungen und Erlebnisse dieser Radreise werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ich habe auch mit einer älteren Dame etwa im Alter von 75 Jahren in der Schweiz gesprochen, und sie sagte, sie habe unzählige Länder gesehen und viele Kreuzfahrten gemacht, und am Ende sei nichts davon erhalten geblieben. Ich fragte sie, warum. Und sie sagte, es sei zu viel: Einen Anblick nach dem anderen zu betrachten und zu konsumieren, ohne wirklich einzutauchen. Ich glaube, sie hatte Recht.

Meine ersten Reisen waren auch von dem typischen “ Bucketlist abhaken“ beeinflusst, aber mein Reisestil hat sich inzwischen geändert. Was bleibt, sind nicht bestimmte Gebäude oder Orte gesehen zu haben, sondern unerwartete Begegnungen mit Menschen, in das Leben der anderen und in die Natur einzutauchen, offen zu sein und sich Zeit für das Geschehen zu nehmen. Ich habe herausgefunden, dass das Reisen mit dem Fahrrad und mit einem Hund dafür wirklich geeignet ist.

Kroatien – nicht das beste Land zum Rad fahren

Wir neigen dazu, zu übersehen, dass es um uns herum so viel Schönheit gibt, dass wir nicht weit oder schnell reisen müssen. Unsere Erde hat an unzähligen Orten und in so vielen Menschen so viel Schönheit zu bieten. Lasst uns alle unseren Teil dazu beitragen, diese Schönheit zu bewahren. Ich ermutige dich, aus deiner Komfortzone herauszutreten und etwas Neues auszuprobieren. Das Leben kann voller Freude und Abenteuer sein, wenn du es zulässt. Geh hinaus und inspiriere die Menschen! Tue es einfach! Du musst dein Leben nicht in einem Hamsterrad verbringen.

Plane nicht allzu viel und lasse dich auf den Moment ein

Oft kann man so viel planen, nur um sich sicher zu sein und wegen all der Planung lebt man dann jedoch nicht mehr im Moment. Ich habe keine Vorbereitungen für diese Reise getroffen. ich bin morgens gestartet und wusste oft nicht, wo ich abends schlafen würde. zu Beginn der Reise hat mich das sehr gestresst. aber nach einer Weile wusste ich, dass ich immer einen Platz zum Schlafen finden würde. Ich hatte ein Zelt bei mir, und wenn sich nichts ergab, schlief ich auf einer ruhigen Wiese, oder ich fragte, ob ich im Garten einer einheimischen Familie schlafen kann, wenn es dunkel wurde.

Habe Vertrauen in dich und sei offen für den Moment und für das, was auf dich zukommt. Es gibt so viele von uns, die bestimmte Träume oder Leidenschaften haben, denen sie nachgehen wollen, die aber in ihrem Inneren kämpfen, die sich nicht sicher sind oder Zweifel daran haben. Folge deiner inneren Stimme. Finde deine Leidenschaft und sei mutig, ihr zu folgen.

Schottland 2020, wir kommen

Ich bin gerade kurz vor meiner nächste Radreise mit Zuri nach Schottland. Ich bin schon sehr gespannt auf die Rauhe und wilde Natur, die mich dort erwarten wird und auch ob Corona Auswirkungen auf das Verhalten der Menschen mir und Zuri gegenüber haben wird. Ich plane auch dieses Mal nichts vorher. Ich habe jedoch dieses Mal zwei Radschläuche für mein Fahrrad und einen für den Hundeanhänger besorgt und auch eine zweite Powerbank. Strom war öfter der limitierende Faktor auf meiner letzte Reise und so saß ich fast täglich morgens ein paar Stunden in Cafes, um mein Fahrrad und Handyakku wieder aufzuladen.

Ihr könnt meiner Reise auf Instagram unter @earth.thebeauty, Facebook unter @earththebeauty oder später auf YouTube unter www.youtube.com/c/irisjoschko folgen. Auf all den Kanälen findet ihr auch Geschichten, Bilder und Videos unserer Touren.

 

This Post Has 4 Comments

  1. Musstest Du Dich nie sorgen, dass Dir das Rad und/oder der Anhänger gestohlen wird, wenn Du einkaufen warst?

    1. Am Anfang hatte ich tatsächlich etwas Angst, aber ich habe das Rad im Endeffekt immer nur per Rahmenschloss gesichert, wenn ich einkaufen gegangen bin. Das Rad war zusammen mit dem Anhänger so schwer, dass es unmöglich gewesen wäre es wegzutragen. Ich bin zudem eher in Dorfläden bzw kleinere Supermärkte gegangen. War ich in einer größeren Stadt habe ich ab und zu auch Passanten gefragt, ob sie kurz nach dem Rad schauen könnten. Generell habe ich mich aber sehr sicher gefühlt und es kam nie etwas weg. Ich hatte auf meinen Packtaschen noch ein Solarcharger und dieser hat auch nochmal als Diebstahlschutz gewirkt, weil man so nicht an die Taschenöffnungen ran kam

  2. Hallo Iris,
    starke Tour, tolle fesselnde Videos und ein Goldstück von Hund !
    Ich hätte mal zwei Fragen an Dich.
    Wenn Du dir mal Hund und Anhänger vom Gewicht her wegdenken würdest,
    wäre die Tour auch mit normalem Bike machbar ?
    Und wieviel Zeit benötigen die beiden Akkus um vollgeladen zu werden ?
    Stelle mir diese Laderei ziemlich nervig vor, oder?
    Danke
    Liebe Grüße Micha

    1. Tut mir Leid, ich habe dein Kommentar gerade erst gesehen.
      Ich denke, dass die Tour auf jeden Fall auch mit normalen Fahrrad machbar wäre. Die Berge sind schon deutlich angstrengender. Ich habe dieses Jahr in Schottland den Unterschied gesehen. Ich bin zwei Tage mit einem Mann, der ein normales Rad hatte, zusammen gefahren. Es hat ihn im Vergleich zu mir sehr viel Kraft gekostet die Schottischen Berge/Hügel hochzukommen. Geradeaus war er jedoch sehr viel schneller als ich.
      Ich hatte das 6A Schnellladegerät von Bosch mit dabei. Ein Akku braucht da so 3 Stunden (und hielt bei mir zwischen 50-80 km). Ich habe morgens meistens 1,5-2 Stunden in einem Cafe Kaffee getrunken oder gefrühstückt und dann nachmittags noch mal Pause gemacht. Ein Kuchen gegessen oder ein Radler getrunken und nochmal etwas geladen. Es war damit immer ein guter Grund mal wieder Pause zu machen. 😉

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