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Der Rheinradweg ist insgesamt 1230 Kilometer lang (davon 970 km in Deutschland). Für mich bildete er den Start meiner 5-monatigen Fahrradreise durch Europa mit meinem Hund Zuri.

Der Rheinradweg ist zum Radfahren ideal. Insbesondere für diejenigen, die noch wenig Erfahrungen beim Radreisen haben. Er ist sehr flach und führt teilweise fernab von anderen Autostraßen auf zumeist asphaltierten Straßen den Rhein entlang. Normalerweise wird empfohlen ihn von der Schweiz aus Richtung Niederlande zu fahren. Ich habe jedoch festgestellt, dass es auch in die entgegengesetzte Richtung kein Problem darstellt ihn zu befahren. Auch mit einem Anhänger, ob mit Hund oder Kind ist es kein Problem ihn zu fahren.

Etappe 1: Mainz bis Biblis 50 km

Von Mainz bis Biblis für der Rheinradweg durch wunderschöne Wege, die zum größten Teil fernab von Autostraßen liegen. Es gibt dabei eine Brücke, auf der das Rad geschoben werden muss. Bei Rädern mit viel Gepäck wie bei mir, kann das recht anstrengend sein. Es folgt ein ganz kleines Stück normale Landstraße, auf der zur rechten Seite ein Storchennest beobachtet werden kann. Am Ende der Etappe kommt man dann auch an dem stillgelegten Akw Biblis vorbei. Für mich war es eine der schönsten Etappen auf dem Rheinradweg.

Übernachten kann man sehr gut und günstig auf dem Freyzeit Campingpark in Biblis-Wattenheim. Der Zeltplatz liegt direkt an einem See. Der Strom ist kostenlos und auch die Duschen für die Zeltgäste. Diese werden jedoch nur 40 Grad warm. Wer eine heißere Dusche bevorzugt, kann für 1 Euro 8 Minuten bei 60 Grad duschen. Die Zeit stoppt dabei, wenn man das Wasser ausschaltet, so dass auch bequem zwei Leute in der gleichen Zeit duschen können. Für Fahrräder gibt es direkt auf dem Zeltplatzgelände einen Fahrradständer.

Campingplatz in Biblis am Rheinradweg
Der Zeltplatz des Freyzeit Campingparks mit direktem Blick zum See.

Etappe 2: Biblis bis Mannheim 42 km

Die Etappe von Biblis bis Mannheim führt an der wunderschönen Stadt Worms vorbei. Es lohnt sich der Stadt einen Besuch abzustatten.

Worms ist eine lebendige und aufgeschlossene Stadt mit heute 82.000 Einwohnern und einer aufregenden Geschichte. In ihr begann die Lutherische Reformation und sie ist neben Mainz und Speyer die einzige deutsche Stadt mit einem romanischen Kaiserdom. In ihr sind des weiteren der älteste Judenfriedhof Europas zu finden und das größte Reformationsdenkmal der Welt.

Wenn es warm ist, kann ich auch die Vannini Eisdiele empfehlen. Das Eis ist wirklich köstlich und mit 40 Sorten gibt es mehr als man probieren kann.

Eisdiele Vannini in Worms am Rheinradweg
Vannini Eisdiele mit 40 Eissorten in Worms
Hagendenkmal in Worms am Rheinradweg
Hagendenkmal in Worms

Worms hat auch eine sehr schöne Uferpromenade direkt am Rhein. Dort ist das Hagendenkmal zu finden. Wie mir ein Einheimischer mitteilte, steht Hagen jedoch auf dem falschen Fuß. Er müsste also in das Wasser fallen bei dem Versuch den Schatz im Rhein zu versenken und demonstrierte wohl den Willen des Künstlers Selbstmord zu begehen…

Auf dem Weg weiter den Rheinradweg entlang von Worms Richtung Mannheim gab es bei mir etwas Verunsicherung, da auf einmal die Straße endete und es nur noch eine Fährverbindung gab. Es ist jedoch völlig richtig diese zu nutzen. Die kurze Überfahrt mit dem Fahrrad ist mit 1 € auch nicht besonders teuer.

Überquerung des Rheins mit dem Schiff am Rheinradweg
Auf einem kleinen Schiff überquert man den Rhein

Mannheim selbst hat mir als Stadt nicht so gut gefallen. Es lohnt sich aber durchaus das Stadtschloss anzuschauen.

Schloss in Mannheim. Etappe des Rheinradwegs
Mannheimer Schloss

Wir schliefen auf dem Campingplatz Mannheim Strandbad. Der Platz für die Zelte direkt neben dem Eingang ist sehr eng und klein, jedoch sind die Toiletten und die Dusche dadurch sehr nah. Auch hier stoppt der Zähler der Dusche, sobald das Wasser ausgestellt wird, so dass auch zwei Leute hintereinander duschen können. Für mich waren die Besitzer hier die freundlichsten, die ich auf dem ganzen Rheinradweg getroffen habe. Es gab die Duschmarken kostenlos zur Übernachtung dazu und am nächsten Morgen sogar kostenlosen Kaffee. Alleine der Weg zum Campingplatz ist schon die Reise wert, da man durch einen wunderschönen und sehr grünen Wald fährt.

Campingplatz in Mannheim am Rheinradweg
Die Zeltwiese am Campingplatz Strandbad in Mannheim ist sehr klein und direkt am Eingang

Etappe 3: Von Mannheim nach Lingenfeld 35 km

Von Mannheim ging es durch einen wunderschönen Wald den Rhein entlang bis zur Stadt Speyer. Speyer ist eine traumhafte schöne Stadt mit etwa 51 000 Einwohnern, in der man durchaus einige Stunden verbringen kann.

Speyer hat mit dem wunderschönen Kaiserdom, die weltweit größte noch erhaltene romanische Kirche. Es gibt eine unglaublich süße Innenstadt, und mehrere sehr sehenswerten Kirchen wie beispielsweise die Dreifaltigkeitskirche.

Nachdem wir einige Zeit in Speyer verbracht hatten ging es noch ein Stück weiter den Rhein aufwärts. Wir schliefen auf dem Campingplatz Lingenfeld. Dieser liegt auch an einem kleinen See. Ich muss jedoch gestehen, dass ich noch nie in meinem Leben so viele Pollen gesehen habe wie dort. Er ist also für leider Allergiker absolut ungeeignet.

Etappe 4: Von Lingenfeld bis nach Karlsruhe 49 km

Von Lingenfeld ging der Rheinradweg zuerst eine Zeit lang dem Rheindamm entlang und dann ein gutes Stück den Rhein selbst entland. Auf dieser Etappe sah ich das zweite Storchennest, was noch besser zu sehen war als das erste. Ich entschied mich gegen Ende der Etappe den Rheinradweg zu verlassen und dem aufziehendem Sturm und Gewitter in einer Karlsruher Wohnung zu entkommen. Auch in Karlsruhe lohnt es sich das Schloss zu besuchen.

Der Sturm war wirklich krass. Auf dem Fahrrad ist man tatsächlich allen Wetterlagen unmittelbar ausgeliefert. Ich hatte das Gefühl den ganzen Dreck und Staub der Karlsruher Straßen wie ein Sandsturm entgegengeweht zu bekommen. Bei einigen Böhen musste ich durchaus stark gegenlenken, damit ich nicht in ein Auto hineingeweht werde. Ich sehe darin durchaus eine reale Gefahr für Radfahrer, wenn die Radwege nur einen Teil der normalen Autostraße darstellen.

Etappe 5: Von Karlsruhe bis nach Oberbruch (eine Etappe auf dem Rheintalradweg) 55 km

Ettlingen in der Nähe von Karlsruhe
Ettlingen, ein süßer Ort in der Nähe von Karlsruhe

So nah am Schwarzwald, lockte mich dieses Mittelgebirge und ich wollte neben der Flusslandschaft des Rheinradwegs auch mal eine etwas bergigere Landschaft sehen. So entschied ich mich eine Etappe des Rheintalradwegs zu fahren.

Ich muss jedoch sagen, dass sich diese Etappe nicht gelohnt hat. Der Großteil der Etappe ging an der Straße entlang, wobei die Autos eine gerade, ebene Straße hatten und man mit dem Fahrrad jedoch ständig kleine Hügel hoch und runter fahren musste.

Der Rheintalradweg führt oft direkt an Straßen vorbei
Fahren auf dem Rheintalradweg von Ettlingen nach Baden-Baden

Die Stadt Baden-Baden war sehr nett. Sie stellt jedoch kein Grund dar, den Rheinradweg zu verlassen.

Baden-Baden von oben
Überblick über Baden-Baden

Der Knaller stellte dann die Strecke von Baden-Baden bis nach Oberbruch zum Campingplatz dar. Hier verließ ich mich auf die Fahrradnavigation von Komoot und das war ein riesen Fehler. Sie schickte mich schnurstracks über einen endlos wirkenden, sehr steilen Berg. Mehrere Kilometer ging es auf einer Landstraße, auf der es keinen extra Fahrradweg gab steil bergauf. Ohne Ebike hätte ich hier keine Chance gehabt. Die Belohnung oben am Berg waren dann immerhin wunderschöne Weinfelder.

Weinfelder in der Nähe von Baden-Baden
Weinfelder in der Nähe von Baden-Baden

Der Campingplatz in Oberbruch liegt auch sehr schön gelegen an einem See. Wir kamen so spät dort an, dass die Rezeption bereits zu war und telefonisch auch niemand zu erreichen war. Zu meinem Glück waren dort die Toiletten nicht extra abgeschlossen, so dass es dennoch möglich war sich etwas frisch zu machen. Den Schildern nach zu urteilen, scheinen aber Hunde auf dem Zeltgelände verboten zu sein und auch für Strom benötigt man einen extra Aufsatz, den man mieten muss.

Etappe 6: Von Oberbruch nach Straßburg (zurück auf den Rheinradweg) 36 km

Von Oberbruch ging es auf Radwegen querfeldein zum Rheinradweg zurück. Der überwiegende Teil dieser Etappe ging danach auf dem Rheindamm auf nicht geteerten Straßen entlang. Insbesondere bei Regen wird sehr viel Schlamm und Dreck aufgewirbelt, was alle Sachen dreckig macht.

Auf dem Rheindamm den Rheinradweg nach Strasbourg
Auf dem Rheindamm nach Straßburg

Straßburg selbst ist eine wunderschöne und sehr vielfältige Stadt. Der günstigste Ort, um in der Nähe zu übernachten stellt der Campingplatz in Kehl dar. Esst unbedingt in dem Restaurant auf dem Campingplatz. Das Essen ist sehr lecker und die Portionen sind gigantisch. Strom muss hier extra bezahlt werden. Die Duschen kosten 50 Cent für 4 Minuten. Es gibt keinen Timer, der stoppt, sobald das Wasser ausgestellt wird.

Wollt ihr direkt in Straßburg schlafen, kann ich euch das Hotel Esplanade empfehlen. Es gehört mit zu den günstigsten Hotels in Straßburg. Mir haben sie auch direkt vor Ort auf Nachfrage den günstigeren Internetpreis gegeben. Das Hotel hat einen Fahrradverleih, wodurch die Räder im eigenen Keller kostenfrei abgestellt werden können und auch Hunde dürfen kostenfrei im Zimmer übernachten.

Da mich Straßburg so begeistert hat, habe ich euch alle Sehenswürdigkeiten und wie gut sich Straßburg mit Hund und Fahrrad bereisen lässt, in diesem Artikel zusammengestellt.

Etappe 7: Von Straßburg nach Freiburg (über den Kaiserstuhl) 100 km

Auf der Etappe von Strasbourg nach Freiburg hatte ich die fixe Idee einen Abstecher über das Mittelgebirge Kaiserstuhl zu machen. Auch dies ist eine Weinregion. Ich wollte dort auf den höchsten Berg namens Totenkopf. Ich musste jedoch 6 km vorher kapitulieren als ich merkte, dass der 2. Akku fast platt machte und ich damit ja noch bis Freiburg kommen wollte. Es ist ein sehr bergiges Gebiet und man muss mehrere sehr steile Berge hoch und wieder hinunterfahren, was sowohl die Muskeln als auch den Akku extrem stark strapaziert. Mein Hund Zuri musste selbst auf Landstraße manchmal aussteigen und neben mir laufen, damit ich die Berge auf höchster Stufe und kleinstem Gang hochgekommen bin. Ich würde also empfehlen so eine Tour nur mit nicht allzu viel Gepäck zu unternehmen. Die Gegend selbst ist aber wunderschön und es lohnt einen Abstecher zu machen.

Ich habe mich dann spontan entschieden auf den Weinbergen bei grandioser Aussicht zu übernachten und die verbleibenden 20 km bis Freiburg am nächsten Morgen zurückzulegen.

Die Straße vom Kaiserstuhl Richtung Freiburg ging dann leider zumeist direkt an der Straße entlang.

Vom Kaiserstuhl Richtung Freiburg
Vom Kaiserstuhl Richtung Freiburg

In Freiburg selbst gibt es jede Menge zu sehen und zu erkunden. Es lohnt sich genauso wie in Strasbourg einen kompletten Tag in der Stadt zu verbringen.

Besonders lohnenswert sind in Freiburg natürlich die Altstadt mit dem Freibürger Münster und der Schlossbergturm. Die Aussicht bei gutem Wetter ist grandios. In der Altstadt selbst gibt es sehr viele kleine Bächlein. Diese wurden bereits vor vielen Jahrhunderten nur Nutzung von Trinkwasser für Tiere und zu Löschzwecken angelegt. Einige Häuser hätten ohne diese Bächlein in früheren Jahrhunderten nicht gerettet werden können. Mittlerweile dienen die kleinen Bäche der Erholung und Erfrischung in Sommertagen. Pass jedoch auf, dass du nicht ausversehen in eins hineinfällt, weil dann musst du so heißt es eine/n „waschechte/n“ FreiburgerIn heiraten.

Freiburg selbst ist eine wirkliche Fahrradstadt. Es gibt super viele Radwege, die oft auch wirklich abgetrennt sind von der normalen Autostraße.

Etappe 8: Von Freiburg nach Basel 73 km

Von Freiburg nach Basel ging es wieder den Rheinradweg entlang. Der Großteil der Strecke verläuft parallel zur A5 Autobahn. Es ist jedoch sehr spannend zu sehen wie unterschiedlich die Welten sind, die man als Fahrradfahrer und als Autofahrer zu sehen bekommt. Der Rheinradweg führt direkt am Wasser entlang und man sieht zu großen Teilen nichts von der Autobahn, da sie hinter grünen Hecken versteckt liegt. Die Geräusche der Autos sind jedoch stark wahrnehmbar. Hier lohnt es sich für die Etappe Musik in den Ohren zu haben. Autofahrer, welche die selbe Strecke nur 5 m weiter links nutzen, sehen nichts von der Schönheit, die direkt neben ihnen liegt.

Der Rheinradweg ist auf mehreren Passagen nicht geteert, so dass das Fahrrad und die Taschen sehr schmutzig werden können, wenn die Straßen nass sind.

Für mich geht es jetzt weiter 500 km die Schweiz entlang. Auch hier gibt es ein sehr gutes ausgeschildertes Fahrradstraßennetz.

Hast du Fragen zum Rheinradweg, dann schreib mir eine Email oder nutze die Kommentarfunktion unten auf der Seite.

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